Unternehmen, die Verantwortung übernehmen

Konferenz in Lahore für alle Akteure der pakistanischen Teppichindustrie

Soziale Verantwortung ist nicht nur eine Aufgabe der Unternehmen in den Importländern. Auch die Betriebe in den Herstellungsregionen sollen Ihren Beitrag für eine nachhaltige Teppichindustrie leisten. Mehr und mehr Teppichproduzenten orientieren sich mit der Unterstützung von Label STEP an den Prinzipien der ‚Sozialen Unternehmens-verantwortung’ (Corporate Social Responsibility, CSR).

Mit der Unterstützung der staatlichen Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und Teppichunternehmen aus Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz führt Label STEP ein in der Teppichindustrie noch nie dagewesenes Projekt durch: Übergeordnetes Ziel ist es, durch die Einführung von CSR-Prinzipien die Lebensbedingungen der Menschen in der Teppichindustrie nachhaltig zu verbessern. Das Projekt wird gleichzeitig in Nepal und in Pakistan durchgeführt.

Mehr Beteiligung aus den Produktionsländern

Die Produzenten in Nepal und Pakistan sollen noch aktiver in das System des fairen Teppichhandels eingebunden werden. Zu diesem Zweck organisiert Label STEP Workshops und Konferenzen, in denen die lokalen Unternehmer für soziale und ökologische Themen sensibilisiert werden und Unterstützung für die Umsetzung von CSR-Richtlinien erhalten. Ein zentraler Aspekt ist es dabei auch, den Produzenten aufzuzeigen, dass sich nachhaltiges Wirtschaften nicht nur auf die Lebensbedingungen der Arbeitnehmenden, sondern auch auf den Geschäftsgang des Unternehmens positiv auswirkt. Auch die Beziehungen zwischen den Teppichproduzenten und den Händlern und Importeuren aus den Verbraucherländern sollen gestärkt werden.

Den Dialog in der gesamten Branche fördern

Die Resultate dieses Dialoges mit den Produzenten in den Herstellungsländern sind beeindruckend. In Pakistan fand eine Konferenz statt, an der Vertreter aller Bereiche der Teppichindustrie teilnahmen. Zum ersten Mal überhaupt versammelten sich in Pakistan Exporteure, Produzenten, Knüpferinnen und Gewerkschaften in einem Saal und diskutierten gemeinsam und gleichberechtigt die Herausforderungen und Probleme ihrer Branche. Die neue Kultur des Dialoges führt auch in den Dörfern, wo die Teppiche geknüpft werden, zu handfesten Erfolgen. Der Branchendialog ist eng koordiniert mit dem Projekt ‚Participatory Monitoring and Verification’, einer „Hilfe zur Selbsthilfe“-Initiative von Label STEP: Dabei organisieren sich die Knüpferinnen in Unterstützungskomitees und lernen, selbstständig für ihre Rechte und Arbeitsbedingungen einzustehen. Der grosse Teil der Arbeitnehmenden in der pakistanischen Teppichindustrie sind Frauen – sie sind denn auch die Hauptnutzniesserinnen des Projektes. Bereits in der Pilotphase des Projekts haben tausende Knüpferinnen und Knüpfer höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen erreicht.

Hilfe zur Selbsthilfe: Teilnehmerinnen eines Unterstützungskomitees für Teppichnüpferinnen, Pakistan

Faire Löhne für alle in Nepal

Auch in Nepal trägt die Label STEP-Initiative für mehr soziale Unternehmensverantwortung Früchte. Die wirtschaftlich schwierige und politisch instabile Situation im Himalaya-Staat hat zunehmend nicht nur die Absätze der Teppichproduzenten sondern auch die Sicherheit der Arbeitsplätze gefährdet. Label STEP hat seine guten Dienste als Vermittlerin zwischen den Unternehmern, den Arbeitnehmenden, den Behörden und den Gewerkschaften angeboten. Als Folge einer Reihe von CSR-Workshops, die bei den Teppichproduzenten auf reges Interesse gestossen sind, sowie der Förderung des Dialoges zwischen den Parteien, konnte 2009 ein grosser Durchbruch erzielt werden: Der Verband der Teppichproduzenten und fünf Gewerkschaften haben ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie sich auf neue Rahmenbedingungen für die Teppichindustrie und eine konstruktive Zusammenarbeit einigen. Dass die darin für die gesamte nepalesische Teppichindustrie festgelegten Löhne für Knüpferinnen das von Label STEP berechnete faire Lohnniveau erreichen, ist ein echter Meilenstein für den fairen Teppichhandel. Neben der Verbesserung der Situation der Arbeitnehmenden bringt das Abkommen den Unternehmern durch den beschlossenen Arbeitsfrieden sichere und stabile Verhältnisse. Damit ist ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Sicherung der für die Wirtschaft Nepals so wichtigen Teppichindustrie gemacht.

Teilnehmer eines CSR-Workshops in Kathmandu, Nepal

Faire Teppichproduktion