Lektüre und Dokumente aus der Rikscha-Bibliothek
In Bhadohi, einer Region im so genannten Teppichgürtel Indiens, ist die Analphabetenrate besonders hoch. In Label STEP-Projekten haben in den vergangenen drei Jahren gegen 200 Frauen, die in der Teppichindustrie arbeiten, Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Nun werden sie dabei unterstützt, das Gelernte auch im Alltag zu nutzen: Unter anderem, indem Lesestoff mit einer Rikscha in ihre Dörfer gebracht wird. Nun wird das Bibliothek-System ausgebaut.
Seit 2005 finanziert Label STEP Projekte, durch die die Bewohner der Region Bhadohi Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Bisher haben rund 200 Frauen das Angebot genutzt und die Kurse besucht – sie beherrschen jetzt alle den Umgang mit Zahlen und Buchstaben. Die jeweils zwölfmonatigen Kurse wurden in fünf Dörfern von der Partnerorganisation Dr. Shambhoonath Singh Research Foundation (SRF) betreut und von lokalen Lehrpersonen gehalten. Der nächste wichtige Schritt ist, den Kursteilnehmerinnen zu ermöglichen, ihr erworbenes Wissen im Alltag zu verankern und das Gelernte selbständig anwenden zu können.
Anwendung des neuen Wissens im Alltag
Auf organisierten Ausflügen in die nahe Ganges-Stadt Varanasi sollen die Frauen das Lesen und Schreiben zur Orientierung und im öffentlichen Verkehr anwenden. Solche Erfahrungen können auch auf Alltagssituationen in den Dörfern übertragen werden: Sie helfen beim Umgang mit öffentlichen Einrichtungen wie Bank und Post, ermöglichen das selbständige Berechnen des Lohnes für das Knüpfen von Teppichen und Spinnen der Wolle – und stärken nicht zuletzt das Selbstbewusstsein der Frauen.
Um die Kursteilnehmerinnen auch nach Abschluss des Unterrichts mit Lesestoff und Informationen zu versorgen, werden die Dörfer um Bhadohi regelmässig von einer Fahrrad-Rikscha-Bibliothek besucht. Der mobile Bücher- und Informationswagen ist pro Tag in einem Dorf stationiert, wobei die Frauen selbst für die Organisation der Bücherausgabe in den Dörfern verantwortlich sind. Als besonders wichtiges Anliegen der künftigen Nutzerinnen stellte sich bei der Vorbesprechung des Projekts heraus, dass die Rikscha nicht ‚bloss’ Bücher zur Verfügung stellt, sondern auch Dokumente und behördliche Formulare anbietet. Die Dorfbewohnerinnen werden neu auch eine Funktion als „Informationsvermittlerinnen“ ausüben und so ihre Position in der Dorfgemeinschaft stärken.
Neu auch stationäre Bibliotheken
Die bisherigen Projekte haben sich als ausserordentlich wirkungsvoll und effizient erwiesen und erfreuen sich bei der Bevölkerung sehr grosser Beliebtheit. Das System soll deshalb erweitert werden: Eine zusätzliche Rikscha-Bibliothek sowie vier feste Bibliotheken sollen in Regionen, wo Label STEP bereits Erwachsenenbildungskurse durchgeführt hat, eingeführt werden. Die stationären Bibliotheken, resp. Informationszentren, wo auch Bücher bestellt werden können, erhalten zudem einen festen Telefonanschluss und werden so zu einem Informationszentrum im Dorf. Zehn weitere Bibliotheken sollen in bestehenden Schulen von Partnerorganisationen, die in Teppichknüpfregionen tätig sind, eingerichtet werden.







