Know-how aus Pakistan und der Türkei für Marokko
Die Teppichindustrie Marokkos kämpft mit Absatzproblemen. Die im Land produzierte Exportware entspricht teilweise nicht mehr dem Geschmack der Käufer und Käuferinnen und das essentielle Wissen über die Restauration historisch und kulturell wertvoller, antiker Berber-Teppiche schien verloren. Ein pakistanischer Profi und ein junger Marokkaner bringen das Fachwissen (zurück) ins Land.
In Marokko gibt es zwei grundverschiedene Teppichproduktionsumfelder. Rund um die Grossstadt Rabat gibt es grosse Manufakturen, wo Exportware hergestellt wird. Und in den Bergdörfern des Atlas werden traditionelle Berberteppiche in Heimarbeit geknüpft. In Rabat sehen sich die Produzenten mit sinkenden Exportzahlen konfrontiert; die Teppiche entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist der Endkunden. Und in den Dörfern um Marrakesch fehlt es an Fachwissen über die Restauration antiker Berberstücke mit grossem kulturellen Wert. Label STEP wurde von marokkanischen Produzenten beider Produktionszweige um Hilfe gebeten und hat daraufhin ein Projekt lanciert.
Vermittlung von Fachwissen zwischen Produktionsländern
Um den Export der um Rabat hergestellten Ware anzukurbeln, reiste ein pakistanischer Experte nach Marokko, um Gruppen von Produzenten in Workshops sein Wissen über Endwaschtechniken zu vermitteln. Denn die richtige Endwäsche verleiht dem Teppich Glanz und einen modernen Look. Ein so behandelter Teppich entspricht viel eher dem Gusto der Käufer in den Importländern.
Das zweite Know how-Transfer-Projekt bringt das über die Jahre verloren gegangene Wissen über die Restauration von Berberteppichen zurück ins Land. Dazu wurde ein junger Marokkaner als Auszubildender nach Istanbul zu einem erfahrenen Teppichrestaurator geschickt. Dort lernte er, wie antike Teppiche optimal in Stand gesetzt und für den Verkauf vorbereitet werden. Nach hause zurückgekehrt, vermittelte er sein neu erworbenes Wissen und Können an andere, zum Vorteil der ganzen Industrie.
Zu den Workshops über Endwaschtechniken und Restauration, die Label STEP mit Unterstützung der marokkanischen Regierung organisierte, wurden alle marokkanischen Teppichproduzenten eingeladen. Sie mussten selbst zwei Drittel der Kurskosten tragen, den Rest steuerten die Veranstalter bei. Bemerkenswert ist auch, dass Label STEP beide Projekte zwar initiiert und die Kontakte vermittelt hat, die eigentliche Zusammenarbeit aber jeweils zwischen zwei Produktionsländern stattfindet.
Die neu- und wiedererworbenen Techniken haben sich inzwischen im Land verbreitet und schon zeichnen sich erste Erfolge ab: Einige der teilnehmenden Exporteure konnten über die letzten zwei Jahre ihre Umsätze wieder steigern.




