Hilfe zur Selbsthilfe: Knüpferinnen nehmen ihr Schicksal in die eigenen Hände
Wie in vielen anderen Herstellungsregionen werden Teppiche auch in Pakistan vor allem in Heimarbeit geknüpft. Label STEP hat mit einem innovativen Projekt Methoden entwickelt, um nicht nur möglichst viele Knüpferinnen auch in ihren eigenen vier Wänden vom fairen Handel profitieren zu lassen, sondern sie auch zu befähigen, ihre Situation aus eigener Kraft zu verbessern. Obwohl sich das Projekt noch in einer Pilotphase befindet, erreichet es bereits 4’000 Menschen – die meisten davon Frauen.
„Ich knüpfe schon seit Jahrzehnten Teppiche. Ich liebe sowohl die Arbeit als auch die wunderschönen Muster und Farben meiner Teppiche. Aber bis jetzt war mein Lohn leider sehr tief. Doch seit sich die Knüpferinnen in meinem Dorf vor drei Jahren in einem Komitee zusammengeschlossen haben verdiene ich 40 Prozent mehr!“ Safia ist eine Teppichknüpferin aus Kamalia, einem Dorf im Bezirk Toba Tek Sing, nahe der Millionenstadt Lahore. Seit es in Kamalia ein lokales Unterstützungskomitee gibt, hat sich vieles zum Besseren gewendet für die Teppichknüpferinnen: Sie erhalten höhere Löhne, haben viel über Sicherheit am Arbeitsplatz gelernt wie auch über ihre Rechte und Möglichkeiten. Seit sie sich zusammengeschlossen haben, sind sie in einer besseren Position, um gegenüber ihren Auftraggebern bessere Konditionen durchzusetzen.
Wissen vermitteln, Frauen stärken
Das Label STEP-Projekt wird nicht nur in Kamalia, sondern in 50 Dörfern der Provinz Punjab durchgeführt. In jedem Dorf wurde ein Unterstützungskomitee gegründet, in dem neben Knüpferinnen und weiteren Vertretern der Teppichbranche auch lokale Behörden und Politiker, Lehrerinnen und Dorfärzte etc. vertreten sind. Label STEP lädt je zwei Mitglieder jedes Komitees zu Workshops ein, wo sie in Menschen-, Arbeits- und Kinderrechten unterrichtet werden, Informationen zur Sicherheit und Hygiene am Arbeitsplatz erhalten, für Umweltthemen sensibilisiert und zu den Label STEP-Grundsätzen des fairen Handels geschult werden. Zurück in ihren Dörfern geben die Workshopteilnehmer ihr Wissen an die ganze Gemeinde weiter. In Pakistan werden Teppiche überwiegend von Frauen geknüpft – dementsprechend liegt der Frauenanteil auch in den Workshops bei rund 70 %.

- Workshops vermitteln Fachwissen - vor allem an Frauen
Grosser Erfolg schon in der Pilotphase
Obwohl sich das Projekt noch in einer Pilotphase befindet, sind die Erfolge bereits beachtlich: Rund 4'000 Teppichknüpferinnen und Knüpfer in den 50 Dörfern profitieren von den Verbesserungen. Hunderte haben bereits eine Erhöhung ihrer Löhne erreicht. Zahlreiche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen lassen sich beobachten, das Bewusstsein für sichere Arbeitsplätze ist in allen Gebieten gestiegen. Vielerorts ist es durch das gemeinsame Auftreten gelungen, lokale Ressourcen zu mobilisieren, etwa in den Bereichen kostenlose Gesundheitsversorgung oder Zugang zu Mikrokrediten. Neben materiellen Verbesserungen ist vor allem eine Stärkung der Knüpferinnen und Knüpfer feststellbar. Unter den gegeben Bedingungen der stark ländlich geprägten, konservativen Gesellschaftsstrukturen sind vor allem die Fortschritte für die Frauen bemerkenswert. Seit sie über Ihre Rechte und Möglichkeiten informiert wurden und sich gemeinsam organisieren können, hat sich ihre Situation entscheidend verbessert. Aus allen beteiligten Dörfern treffen zahlreiche Berichte wie derjenige von Safia ein: Die Frauen sind ihren Auftraggebern nicht mehr ausgeliefert, sondern können aus einer neu gewonnen Position der Stärke bessere Löhne und Bedingungen aushandeln. Ermutigt von diesen positiven Rückmeldungen strebt Label STEP eine Weiterführung dieses Projektes sowie seine Umsetzung in weiteren Teppichherstellungsgebieten an.

- Sitzung des Unterstützungskomitees für Teppichknüpferinnen in Safdar Abad

