Der Label STEP-Teppich: Das Making-of
Teil 1: Design des Label STEP-Teppich
Teil 2: Lernen Sie die Knüpfer kennen
Teil 3: Auf der Zielgeraden
Auf der Zielgeraden
Das Knüpfen ist der zeitaufwendigste und kunstvollste Arbeitsschritt in der Teppichherstellung. Trotzdem sind die Vorbereitung und das Einfärben des Rohmaterials – in unserem Fall Tibetische Hochland Wolle und natürliche Seide aus China- wie auch die Endverarbeitung ebenso wichtig.
Die Gestaltung eines individuellen Kundendesign, wie die des Label STEP Teppichs ist eine Arbeit, welche viel Know-how benötigt. Im nepalesischen Teppichgewerbe sind es vor allem indische Arbeitskräfte, welche für den letzten Arbeitsschritt, die Endverarbeitung verantwortlich sind. Im Falle unseres Teppichs erledigt dies Rajesh Pushpakar. Er kommt ursprünglich aus Bhadohi, einem Zentrum der indischen Teppichindustrie. Rajesh kam vor 14 Jahren nach Katmandu und arbeitet nun seit 12 Jahren für den gleichen Auftraggeber. Er ist glücklich, dass sein Können in Nepal gefragt ist und er mehr Geld verdienen kann als zu Hause in Indien. In den Ferien besucht er seine Familie in Bhadohi.
Nach dem Knüpfen des Label STEP Teppichs, schneidet Rajesh Pushpakar die Fransen aus dem rechteckigen Teppich. Nun fixiert er jeden einzelnen Faden. Der Flor wird so geschnitten, dass er überall die gleiche Höhe aufweist und die Konturen werden geschoren. Jetzt muss der Teppich nur noch gewaschen und danach verschifft werden. Label STEP präsentiert seinen Teppich vom 14. bis 17. Januar an der Domotex in Hannover. Bilder folgen…oder kommen Sie bei uns vorbei und schauen sich ihn an!

- Rajesh ist aus Bhadohi, Indien. In den Ferien besucht er seine Familie zu Hause in Indien
Lernen Sie die Knüpfer kennen
Label STEP besucht die Produktionsstätte seines Teppichs in Kathmandu, Nepal, und trifft dort auf die Knüpfer Dilla und Vijaya.
Dilla (28) und Vijava (32) arbeiten in einem kleinen Teppichatelier in Katmandu im Stadtteil Baudha. In diesem Viertel befinden sich zahlreiche Produktionsstätten für handgeknüpfte Teppiche. Wegen des politischen Drucks und der Instabilität im Land mussten vor ein einigen Jahren die ehemals grossen Teppichmanufakturen Nepals ihre Tore schliessen. Deshalb werden heute die meisten nepalesischen Teppiche in viel kleineren Produktionsstätten hergestellt. Leider ging diese Entwicklung Hand in Hand mit einer generellen Verschlechterung von Lebens- und Arbeitsbedingungen, was sich tendenziell auch negativ auf das hohe Qualitätsniveau der handgeknüpften Teppichen aus Nepal ausgewirkt hat.
Deshalb setz sich Label STEP gemeinsam mit seinen Lizenznehmer und deren Lieferanten in Nepal für eine Rückkehr zur zentralisierten Produktionsform in der Teppichindustrie ein. Währenddessen überprüft Label STEP aber auch in den heutigen Produktionsstätten, ob die Fair Trade-Richtlinien eingehalten werden.
Dilla und Vijaya profitieren von den Vorteilen, welche der faire Teppichhandel mit sich bringt. Label STEP-Inspektoren kontrollieren die Sicherheit, Beleuchtung und Sauberkeit am Arbeitsplatz. Auch die Wohnräume der Arbeiter, die wie Trinkwasser und Strom vom Arbeitgeber kostenlos zur Verfügung gestellt werden, inspiziert Label STEP. Und schliesslich überprüft Label STEP, ob die ausbezahlten Löhne das nötige Existenzminimum erreichen und den Knüpferinnen und Knüpfern somit ermöglichen, den Lebensunterhalt ihrer Familien zu finanzieren.
Unter solchen fairen Bedingungen ist die Teppichindustrie ein wichtiger Arbeitgeber, der Tausenden von Menschen attraktive Jobs anbieten kann - in einem Land, wo gute Arbeitsplätze Mangelware sind. Das veranlasst auch Tausende Nepalesen ihr Land für Jobs in den Golfstaaten verlassen. Viele der Arbeitsmigranten sind Männer, welche Frau und Kinder zurück lassen.
Dilla und Vijaya beweisen, dass auch das Gegenteil möglich ist. Ihre Familien lebten seit zwei Generationen in Indien. Nun arbeiten die Beiden seit über zwölf Jahren in Katmandus Teppichgewerbe. Sie haben eine ein Jahr alte Tochter und einen sechsjährigen Sohn, der bereits die Schule besucht. Das ist für die junge Familie sehr wichtig: da weder Dilla noch Vijava länger als zwei Jahre in die Schule gingen, sollen nun ihre Kinder in den Genuss einer besseren Schulbildung kommen.
Für Vjiaya kommt Arbeiten im Ausland nicht in Frage. „Wir sind eine Familie und wollen zusammen bleiben. Hier ist unser Zuhause und hier sollen unsere Kinder aufwachsen und zur Schule gehen.“

- EIne wunderbare Familie: Vijaya, Dilla und ihre zwei Kinder.
Design des Label STEP Teppichs
Label STEP macht seinen eigenen Teppich! Rechtzeitig zur Domotex, der wichtigsten Messe für handgefertigte Teppiche im Januar 2012, lässt Label STEP sein Logo als Teppich knüpfen: Das Projekt zeigt die eindrücklichen Möglichkeiten der nepalesischen Teppichindustrie auf und informiert über den fairen Teppichhandel im Himalayastaat.
140 x 210 cm gross soll er werden, aus Wolle und Seide handgeknüpft sein… und wenn möglich sogar die Form des Label STEP-Logos haben – also die stilisierte Teppichform wieder aus der Abstraktion in die Realität überführen. Und zur Teppichmesse Domotex im Januar 2012 soll das gute Stück fertig sein. Schnell war klar, dass vor allem die deutsche Firma Makalu Design für diesen Auftrag in Frage kommt. Das Unternehmen ist nicht nur ein ausgewiesener Spezialist für die Umsetzung von individuellen Designs, Makalu ist auch langjähriger Label STEP-Partner und damit Garant für eine sozial gerechte Produktion des Teppichs.
Wir haben uns mit Petra Both, der Makalu-Chefdesignerin, unterhalten.

- Petra Both, Designerin bei Label STEP-Partner Makalu

- Am Computer simuliert: So wird der Label STEP-Teppich aussehen, wenn er fertig ist
Label STEP: Will man ein individuelles Kundendesign als handgefertigten Teppich herstellen lassen, wird einem immer wieder Makalu empfohlen. Wie kommt das?
Petra Both: Es hat sich wohl herumgesprochen, dass Makalu auf diesem Gebiet über langjährige Erfahrung verfügt und sich zum Spezialisten für Kundendesigns entwickelt hat. Deshalb kommen gerade komplizierte Sachen oft zu uns.
Liegen nach individuellen Vorlagen handgeknüpfte Teppiche im Trend?
Ja, das kann man so sagen. Wir erhalten zahlreiche Aufträge sowohl von Privatpersonen über unsere Hadelspartner wie auch von Innenarchitekten. Es gibt definitiv einen Trend, Teppiche gezielt an Wohnsituationen anzupassen.
Erhalten Sie auch Vorlagen, die Sie als Designerin schrecklich finden?
(lacht) … ja, das kann schon mal vorkommen. Der Teppich muss aber schlussendlich dem Kunden gefallen, nicht mir. Deshalb nehmen wir Kundenbedürfnisse immer ernst. Es kann aber vorkommen, dass wir einen Gegenvorschlag machen oder das Design gemeinsam mit dem Kunden weiterentwickeln…
Wir waren bei unserer Anfrage erstaunt, wie problemlos unsere Wünsche umsetzbar sind. Was sind denn die Grenzen des Machbaren?
Es ist in der Tat erstaunlich, was unsere Manufaktur in Nepal alles hinkriegt, sowohl bezüglich Designs als auch komplexer Formen. Je feiner die Musterung des Designs und der Farbverläufe, desto komplizierter wird jedoch das Knüpfen des Teppichs – das kann sehr aufwendig werden und ist dann auch eine Frage der Kosten.
Die Form des Label STEP-Logos mit seinen stilisierten Fransen ist also kein Problem in der Herstellung?
Nein, es liessen sich auch noch kompliziertere Formen herstellen.
Digitale Gestaltung in Photoshop und dann die Umsetzung in traditioneller Handwerkskunst – wie geht das zusammen?
Dass es bei Kunsthandwerk zu minimalen Abweichungen und Unregelmässigkeiten kommt, liegt in der Natur der Sache und wird von unseren Kunden nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewollt. Das ist ja gerade das Schöne an handgeknüpften Teppichen! Die Handarbeit verleiht dem Teppich die organische Ausstrahlung und den individuellen Charakter.
Das offizielle Label STEP-Rot stammt aus dem Pantone-Farbsystem. Wie wählen Sie die entsprechende Farbe der Wolle?
Unsere Farbpalette besteht aus 300 Farben und ermöglicht so nahezu grenzenlose Gestaltungsvielfalt. Anhand eines Farbfächers wähle ich den passenden Farbton aus. Auch hier gilt jedoch zu bedenken, dass die Farbe des Teppich je nach Licht leicht anders erscheint… auch das macht die Lebendigkeit des Teppichs aus.
Beim Material für den Label STEP-Teppich haben wir uns für eine Mischung aus Wolle und Seide entschieden…
...Ich liebe das Spiel mit verschiedenen Materialien, das ist etwas vom Grossartigsten an Teppichen und bringt unheimlich viele Gestaltungsmöglichkeiten! Der Hintergrund des Label STEP-Teppichs wird in tibetischer Hochlandwolle – eine der besten Wollqualitäten der Welt – geknüpft, die Schrift wird in reiner hochwertiger Naturseide umgesetzt. Der Kontrast zwischen den beiden Materialien ist optisch reizvoll und fühlt sich spannend an.
Wichtig bei Teppichen ist ja auch die Knotendichte. Wie viele Knoten wird der Label STEP-Teppich haben?
Die Knoten der Teppiche sind wie die Pixel am Bildschirm oder im Druck: Je höher die Dichte – oder die Auflösung – desto feiner und detailreicher das Bild. Beim Label STEP-Teppich haben wir uns für die nepalesische 100-Knoten-Qualität entschieden, das heisst es werden pro Inch² 100 Knoten geknüpft. Das ist eine sehr hohe Qualität, die dazu führt, dass auch der feine Schriftzug „Fair Trade Carpets“ exakt umgesetzt wird.
Erzählen Sie uns bitte noch etwas über die nepalesische Manufaktur, in der unser Teppich hergestellt wird.
Makalu Design arbeitet seit über 20 Jahren mit seinen Produzenten in Nepal zusammen. Eine faire Partnerschaft und gute Arbeitsbedingungen waren uns von Anfang an wichtig. Das wird auch mit vorzüglicher Qualität und verlässlicher Produktion belohnt. Wir pflegen bis heute ein freundschaftliches Verhältnis mit unseren Partnern in Nepal.

- Ausschnitt: Das auf Millimeterpapier übertragene Design dient den Knüpferinnen als Vorlage. Die Knüpdichte bestimmt den Detailgrad des Designs: Der Unterschied zwischen 60 Knoten (oben)...

- ... und 100 Knoten, die für den Label STEP-Teppich zur Anwendung kommen, ist augenscheinlich.










