Stellungnahme zum US-Embargo auf den Import handgefertigter Teppiche aus dem Iran
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, hat ein Gesetz unterzeichnet, das die Einfuhr handgefertigter Teppiche aus dem Iran verbietet. Teppichknüpferinnen und -arbeiter gehören zu den sozial am meisten benachteiligten Schichten der iranischen Bevölkerung. Label STEP und ORIA appellieren deshalb an die US-Regierung, handgefertigte Teppiche aus dem Handelsembargo zu streichen.
Präsident Obama hat das “Comprehensive Iran Sanctions, Accountability, and Divestment Act (H.R. 2194)” genannte Gesetz am 1. Juli 2010 unterzeichnet. Das Handelsembargo umfasst im Iran handgefertigte Teppiche und tritt am 29. September 2010 in Kraft.
Die Zahl der in der iranischen Teppichindustrie beschäftigten Menschen und ihre Familienangehörigen wird auf gegen acht Millionen geschätzt. Sie gehören zu den sozial und wirtschaftlich am meisten benachteiligten Bevölkerungsschichten. Viele von ihnen leben und arbeiten in abgelegenen ländlichen Regionen, wo andere Erwerbsmöglichkeiten oft rar sind.
Zahlreiche Teppichknüpferinnen gehören zu Nomadenvölkern, die nach wie vor ihr traditionelles Leben führen oder sich in einer kritischen Phase des Übergangs in die urbane Gesellschaft befinden. Das Teppichknüpfen ist ein zentrales Element ihres kulturellen Erbes und der nomadischen Identität. Heute ist die Teppichherstellung eine wichtige Existenzgrundlage für viele Nomadenfamilien.
Handgefertigte Teppiche gehörten zu den ersten global gehandelten Gütern. Ihre Bedeutung für den wirtschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen Ost und West hat eine lange Geschichte. Teppiche bilden eine kulturelle Brücke und stehen für den friedlichen Austausch zwischen Orient und Okzident.
US-Präsident hat zum Ausdruck gebracht, dass „diese Sanktionen nicht gegen das Iranische Volk gerichtet sind“ (9. Juni 2010) und dass „die Vereinigten Staaten dem iranischen Volk beistehen“ (1. Juli 2010). Aber das Handelsembargo auf handgefertigte Teppiche trägt zu Arbeitslosigkeit, Verarmung und Unsicherheit unter Millionen Menschen im Iran bei, die bereits jetzt kämpfen müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Zudem bedroht das Handelsembargo auch zahlreiche Teppichimporteure und -händler in den USA, die meisten von ihnen Kleinbetriebe und Familienunternehmen. 2009 importierten die Vereinigten Staaten handgefertigte Teppiche im Wert von 41 Millionen US-Dollar aus dem Iran.
Aus diesen Gründen appellieren Label STEP – das Schweizer Label für fairen Handel mit handgefertigten Teppichen – und ORIA – der Branchenverband der amerikanischen Teppichimporteure – an die US-Regierung, handgefertigte Teppiche vom Handelsembargo auszunehmen. Weiter ruft Label STEP alle Regierungen und Behörden Teppich importierender Länder auf, keine Handelsembargos auf handgefertigte Teppiche, egal aus welchen Produktionsländern, einzuführen.



