Die Teppich-Trends der Saison
Die führenden Inneneinrichtungs-Messen Domotex, Maison & Objet und IMM Köln haben Teppichen eine grosse Bühne bereitet. Teppiche sind die Stars der 'Interior Design'-Saison. Die wichtigsten Trends: Lust auf Farbe, Vintage Look, Mix Mash - das kreative Kombinieren verschiedener Stile - und natürlich Fair Trade.
Die neuen Kreationen der Label STEP-Lizenznehmer gehören mit zum Besten, was die Teppichszene zu bieten hat. So verlieh das britische Kultmagazin Wallpaper Jan Kaths Emerald den Design Award 2011 für den besten Teppich.
Wir gratulieren und stellen fest, dass sich in diesem neuen Design der Farbtrend ebenso abzeichnet, wie ein natürliches Unordnungsprinzip scheinbar zufälliger, quasi verwitterter Strukturen. Jan Kath nennt dies eine „natürliche Anarchie tausender Farbpunkte“. In vergleichbare Richtung geht Mischioff. In dezenteren Farbtönen deutet der Look der Himal Collection zum Teil granitartige Strukturen an.

- Quarzadern? Tintenflecken? Mikroskopbild? – Emerald Green: Preisträger und Bilderrätsel aus der Kollektion Sliced von Jan Kath

- Ein Anschmiegen an die raue Oberfläche – die Himal Collection von Mischioff
Feine, ungeordnete, gewissermassen der Natur abgeschaute Designs in höchster Knüpfqualität kommen aber nicht nur, wie die Teppiche oben, aus Nepal, sondern werden auch im persischen Knoten geknüpft. Zu den faszinierendsten Beispielen gehören dabei die 'Rugs by Robinson' Teppiche, erhältlich u.a. bei König Tapis in Cheseaux-sur-Lausanne, Bodenmann in Basel oder bei Pfister.

- Ein explosives Design von 'Rugs by Robinson'...

- ... und sein Pendant in kühlen Blautönen
Teppiche imitieren aber nicht nur die Natur, sie sind vor allem auch Naturprodukte. Nur aus bestem Rohmaterial lassen sich hochwertige Teppiche knüpfen. Besonders schöne und konsequente Beispiele sind etwa bei Bodenmann zu sehen, die neu Naturfaserteppiche von Domanicki in Hanf, Nessel, Sisal und Seide im Angebot führen. Oder der Pandra von Mischioff, in raffinierter Hoch-Tief-Struktur und aus ungefärbter, dunkler Schafwolle geknüpft.

- Das Beste aus der Natur: Laliguras von Domanicki bei Bodenmann in Basel

- Ein Teppich, der sich als Holzboden tarnt – Pandra Collection von Mischioff.
Alter Charme und neues Leben
Neben der Orientierung von High-End-Designs an der Natur gibt es einen breiten Trend zu „Vintage“-Teppichen. Teppiche, deren Design auf alt und verwittert gemacht sind, oder tatsächlich alte Teppiche, die wiederbelebt bzw. recycelt werden, sind sehr gefragt, so Niels Blättler, Teppich-Verantwortlicher bei der Möbelkette Pfister. Im Kokettieren mit dem Verbrauchten und mit dem Zerfall ist „Vintage“ nicht so weit weg von den Anleihen bei chaotischen Strukturen und „natürlichen“ Mustern, die Emerald und co. eingehen.

- Zarte Ornamente im Rechteck – die Antique-Kollektion von Makalu

- Ein Muster im blinden Zerfall – Alcaraz Sky aus der Kollektion Rug Evolution von Jan Kath
Beide Trends lassen sich auf einen Begriff bringen: Wie Marcel Müller, Marketing and Sales Manager beim Zürcher Anbieter Mischioff, es ausdrückt, sind Produkte besonders gefragt, die „leben“, sei es durch spezielle Wäsche, Färbung, Materialien oder im Design. Einerseits bezieht sich dies darauf, dass Alter, Gebrauchsspuren, Abnützung und Zerfall bzw. deren Imitation beliebt sind.

- Gefragter Domotex-Trend: Patchwork-Teppiche aus alten Stücken

- Sticht ins Auge – ‚falsches‘ Patchwork, neu geknüpft, aus der Manshu Collection von Mischioff
Andererseits gibt es ein Interesse am Gegenteil: an neuer Frische. Dazu gehören Patchworks aus alten Kelim- oder Teppichstücken ebenso wie ganze alte Teppiche, neu eingefärbt mit kräftigen, modernen (Neon-)Farben. Die Nähe zum „Leben“ geht auch einher mit der Beliebtheit pflanzlich gefärbter Produkte, die Marcel Müller konstatiert. In ähnliche Richtung geht die Markteinschätzung von Bodenmann in Basel. Hier setzt man auf natürliche Materialien. Neu sind Naturfaserteppiche von Domanicki in Hanf, Nessel, Sisal und Seide im Angebot.

- Alles frisch – die Refreshed Collection von Mischioff

- Neue Pracht – Pink aus der Kollektion Pimp my Rug von Jan Kath
Mix Mash - Einladung zum kreativen Kombinieren
Die Kombination, der Stilmix, gibt den verschiedenen Vintage-Trends breite Entfaltungsmöglichkeiten. Im kreativen Kombinieren – traditionelle Orient- mit modernen Designteppichen, kräftige Farben mit dezenten Naturfarben oder hellen Tönen, klassische Orientteppiche mit modernen Designmöbeln usw. – sieht Blättler (Pfister) einen starken Trend bei der Inneneinrichtung insgesamt.

- Alle auf einem Floss – Verschiedene Stilrichtungen zu kombinieren ist im Trend, z.B. auf rustikalen Holzböden. Hier eine Auswahl aus dem Sortiment von Pfister.

- An die Wand damit – in Kombination mit China-Möbeln in kräftigen Farben entfalten die naturfarbenen Teppiche im Vintage- und Used-look-Stil einen dezenten Charme. Am Boden ein Fresco von Rugs by Robinson, an der Wand ein Pfister Canamo.
Auch klassische Designs lassen sich gut kombinieren. Generell sind kräftigere Farben im Kommen. Sie würden sich besser verkaufen als die eher blassen Teppiche der letzten Jahre, so Karl-Heinz Ahmad Djoharian von Art Oriental. Er sieht im klassischen Bereich auch einen Trend zu persisch gemusterter Ware aus Pakistan mit feiner Knüpfung und kurzem Flor.

- „Groove“ in Grün – die Pfister-eigene Designteppichlinie aus Nepal ist in neuen Farben erhältlich, auf dem Bild in macao green. Auch hier wieder kombiniert mit Altem (China-Möbel)

- Stark gefragte, zeitlose Klassiker – gerne auch in kräftigen Farben; z.B. von Art Oriental in Lohr (D)
Dezidierte Farb- und Formgebung
Die Farben tendieren diese Saison weg von den blassen Tönen hin zu kräftigen. Besonders kommt Rot zum tragen, eine Tendenz, die sich durch das moderne und das klassische Segment zieht. Auch die Fransen klassischer Teppiche feiern vielerorts ein neckisches Comeback.

- Jung – kräftige Farben und markante Fransen im Arabesco Rojo von Gan Rugs...

- ... und modern – Merico von Reuber Henning (beide erhältlich bei Bodenmann)
Bezeichnend für die Vielfalt im Angebot ist ein Statement von Christian und Daniel Bodenmann vom gleichnamigen Geschäft in Basel. Auf die Frage nach den neuesten Entwicklungen nennen sie den „Teppich nach Mass“: in einer bisher nicht gekannten Vielfalt könnten heute Teppiche nach individuellen Wünschen produziert werden. Die Auswahl an Farben und Materialien, Mustern und Designs sei riesig und erfülle (fast) alle Vorstellungen. Bei Paulig verspürt man eine deutliche Entwicklung hin zu hochwertigen Teppichen mit Wolle, Seide und hoher Knüpfdichte, dies in erster Linie bei Produkten aus Nepal. Mischioff sieht sich mit einem besonderen Interesse für komplexe Designs aus Nepal konfrontiert. Bodenmann schätz „moderne“ Teppiche aus dem Iran weiterhin als sehr wichtig ein: Gabbehs, Kaschkulis und Kelims – auch in immer wieder neuen Mustern und Farben.

- Selber kreativ werden liegt im Trend. Eigenen Design- und Farbwünschen sind kaum Grenzen gesetzt (Bild: Farbpalette von Makalu).
Vielfältiger Filz
Der formbare Filz eignet sich für Imitationen besonders gut; weniger in der Musterung und Bildlichkeit als durch tatsächliches Nachbilden, etwa von Steinen oder Blumen, wie Beispiele aus dem Angebot von König Tapis verdeutlichen.

- Weiche Kieselsteine...

- …und Schotter aus Wollfilz – hergestellt in Indien, erhältlich bei König Tapis
In Filz gibt es mit den Kirgisischen Shyrdaks aber auch klassische Varianten. Die eigenständige Ornamentik und die Geschichte des kirgisischen Filzteppichs würden faszinieren, sagt Noemi Haag, Co-Geschäftsführerin von Karpet GmbH. Auch Feelfelt bietet kirgisische Shyrdaks an. Deren uralte Kultur und archaischen Formen liessen sich perfekt mit moderner Ästhetik und urbanem Lebensstil zum stilvollen und exklusiven Interieur verbinden.

- Charakteristische kirgisische Ornamentik – hier ein Beispiel von Karpet

- Es braucht immer zwei – ein negatives und ein positives Ornament, zusammengesetzt zu einem Shyrdak von Feelfelt
Le retour berbère
An den Domotex Carpet Design Awards erreichte Jan Kaths Kollektion Le Maroc Blanc den ersten Platz in den Sparten Best Traditional Nomadic Design Deluxe und Best Collection Traditional. Le Maroc Blanc ist in der Schweiz erhältlich bei Bodenmann. An der Domotex ausserdem Furore gemacht hat der an den Bazar in Marrakesch angelehnten Bazar Souk Deluxe; ein begehbares Ausstellungterrain an prominenter Lage in der Halle 20, wo eine Reihe exklusiver Designs versammelt waren. Ganz Allgemein waren Berber an den Messen stark vertreten und sind auch bei zahlreichen Händlern im Angebot – ein längst überfälliges Comeback der grossartigen marokkanischen Berberteppiche.

- Jan Kath und sein marokkanischer Partner Mustapha Hansali mit ihrem Award

- Ein Neonstreifen am Horizont – Neon aus der Kollektion Le Maroc Blanc...

- und Krypton aus der Le Maroc Blanc Kilim Edition von Jan Kath
Faire Preise ermöglichen gerechte Löhne
Die Preise im Zwischen- und Endmarkt sind mit den Kosten für die hochwertigen Rohmaterialien und den z.T. nach oben korrigierten Löhnen der Knüpferinnen und Arbeiter gestiegen. Marcel Müller vom Design- und Grosshandelsunternehmen Mischioff begrüsst sehr, dass der Detailhandel diese neue Preisentwicklung akzeptiert. Diese Akzeptanz ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil nur so auch faire Löhne in der Produktion bezahlt werden können. Diese Entwicklung wird auch auf Konsumentenseite verstanden und mit einer stets steigenden Nachfrage nach fair gehandelten Teppichen gestützt.

- Reger Handel bedeutet – sofern die Preise fair sind – Existenzgrundlage für Hunderttausende Familien in den Herstellungsregionen.

