Petition zur Förderung der Teppichindustrie Nepals
Autorinnen: Stephanie Odegard (Odegard Inc.), Sherab Dolma Rana (Label STEP Nepal)
Absenderin: Stephanie Odegard
Adressat: Regierung der Demokratischen Bundesrepublik Nepal
Hintergrund
Die Petition im Wortlaut
Hintergrund: Die Nepalesische Teppichindustrie, ihr momentaner Zustand und ihre Bedeutung für die Entwicklung Nepals
Das wirtschaftliche Potenzial der Nepalesischen Teppichindustrie zeigte sich gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts. Mitte der 1990er Jahre beschäftigte die Industrie fast eine Million Menschen, zeichnete für einen Drittel der Exporte Nepals verantwortlich, war die wichtigste Einnahmequelle für Fremdwährung und brachte der Wirtschaft jährlich 10 bis 13 Mrd. Nepalesische Rupien ein.
Heute ist die Industrie um mehr als 70% geschrumpft. Lokale Manufakturen, erfahrene KnüpferInnen und Teppichimporteure verlagern ihre Produktion aufgrund der im Kathmandu Valley zunehmenden unstabilen Produktionssituation, des wirtschaftsfeindlichen Umfelds und der lokalen Unruhen nach Indien und China. Diese Situation hat seit dem Jahr 2000 zu einem bedeutenden und andauernden Rückgang der Produktionsstandards und zu einem dramatischen Qualitätsverlust in der Nepalesischen Garnproduktion und Knüpfung geführt. Wegen dieses Rückgangs verliert Nepal seinen hart erarbeiteten Ruf als führender Produktionsstandort handgefertigter Teppiche sowie seinen wertvollen Anteil an den internationalen Märkten.
Die gesunkene Bedeutung der Nepalesischen Teppichindustrie schmälert ihren Beitrag für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Nepalesischen Exporte wesentlich zu einem positiven Wirtschaftswachstum beigetragen haben. Die Wichtigkeit der Teppichindustrie zeigt sich in ihrem beinahe 30%igen Anteil an den Nepalesischen Gesamtexporten und ihrem direkten Beitrag von ungefähr 3% an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Nepals 2004/2005. Mehr inländische Unterstützung für diese Industrie kann die Exporte wieder ansteigen lassen, die Einnahmen der Landesregierung erhöhen, handwerkliche Fertigkeiten fördern und die Situation der ArbeiterInnen verbessern. Sie bietet der Regierung auch eine Möglichkeit, über eine bereits etablierte Industrie für wirtschaftliches Wachstum und Diversifizierung zu sorgen.
Die Teppichindustrie spielt auch eine zentrale Rolle in der sozialen Entwicklung und in der Armutsbekämpfung in ländlichen Regionen. ArbeiterInnen in Teppichmanufakturen sind bedeutende Absender einheimischer Geldüberweisungen, die in ländliche Gebiete geschickt werden. Diese Geldflüsse haben einen starken und direkten Einfluss auf die Reduktion von Armut auf dem Land, wie eine Studie der Weltbank über die Nepalesische Wirtschaft 2003 aufgezeigt hat.
Um die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile der Industrie zu erhalten und auszubauen, erachten wir ein produktiveres, sichereres und korruptionsfreies Arbeitsumfeld in der Nepalesischen Teppichindustrie als dringende Notwendigkeit. Als Händler und Importeure dieses wunderbaren Produktes ersuchen wir die Nepalesische Regierung in dieser Petition, diese Notwendigkeit anzuerkennen und Maßnahmen zu Veränderungen in den folgenden Punkten einzuleiten: Arbeitsbestimmungen, Exportförderung, Qualitätszertifizierung, Investitionsklima, Gewerkschaftsrichtlinien. Details finden sich weiter unten im Petitionstext.
Mit gezielten Interventionen hat die Teppichindustrie das Potenzial, eine wesentliche Rolle in der Entwicklung Nepals zu spielen. Die Industrie hat bewiesen, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung direkt fördern und die Effizienz der Regierung bei der Armutsbekämpfung erhöhen kann. Wir glauben, dass die Nepalesische Teppichindustrie mit der in dieser Petition vorgeschlagenen Unterstützung wieder eine bedeutende Quelle für nationales Einkommen, soziale Entwicklung und die Erhaltung eines Jahrhunderte alten Kunsthandwerks werden kann.
Petition an die Regierung der Bundesrepublik Nepal:
Vorschläge zur Förderung der Teppichindustrie
- Die Schaffung von speziellen Arbeitsgesetzen für die Exportindustrie. Diese Gesetze sollten in einem partizipativen Ansatz entwickelt werden und VertreterInnen der Industrie, in der Industrie aktive Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Arbeitnehmende, und Regierungs-/BehördenvertreterInnen einbeziehen. Sie sollen auch sicherstellen, dass die Industrie so wachsen kann, dass die Arbeitsproduktivität sowie die Anzahl Arbeitsplätze ansteigen.
- Eine Steigerung der Regierungsaktivitäten zur Exportförderung um der Industrie zu helfen, Marktanteile von der zunehmenden Zahl an Herstellern maschinell gefertigter Teppiche oder solcher von tiefer Qualität zu gewinnen. Dazu gehören Steueranreize für Exporteure, regierungsgestützte Finanzierungsstrukturen für Exporteure, Produzenten und Lieferanten, Förderung der Marke „Nepalesischer Teppich“ durch die Regierung sowie Unterstützung in ökologischen und sozialen Themen, die nicht nur die Industrie, sondern auch ihren Ruf im Ausland beschädigt. Exportanreize sollen einen direkten und positiven Einfluss auf die Absätze der Industrie und auf das daraus resultierende nationale Einkommen haben.
- Eine Standardisierung von Qualitätszertifizierungen mit Anreizen zur Erhöhung des Anteils von Teppichen, die mit traditioneller Tibetischer Technik, handversponnenen Garnen und hochwertigster langfasriger Wolle hergestellt werden; Ziel sind die Erhöhung und der Schutz des Wertes der Marke „Nepalesische Teppiche“. Zertifikationsstandards sollen eingeführt werden, um traditionelle Teppiche mit „crossed knot“-Technik und handversponnener Wolle von nicht-traditionellen Stücken mit „non-crossed knot“ und/oder maschinenversponnener Wolle zu unterscheiden.
- Die Schaffung eines sicheren und einladenden Investitionsklimas, das ausländische und einheimische Investitionen fördert, indem es sicherstellt, dass sich InvestorInnen nicht vor dem ungesetzlichen Verlust ihrer Investitionen oder ihres Lebens bei Reisen im Land fürchten müssen.
- Eine Überarbeitung der Beziehung zwischen Gewerkschaften und Manufakturen um sicherzustellen, dass gewerkschaftliche Aktivitäten und Forderungen den ArbeiterInnen gegenüber verantwortungsvoll sind und zu Verbesserungen in der Industrie, den Arbeitsbedingungen und den Anstellungsstandards führen.
- Die Umsetzung effizienter Anreize und Maßnahmen zur Sicherung des Zugangs der IndustriearbeiterInnen und ihrer Kinder zu Gesundheitsversorgung und Schulbildung bis zur höheren Sekundarstufe („higher secondary level“).
- Die Stärkung der Regierungspolitik und deren Durchsetzung zur Bekämpfung der Kinderarbeit in der Industrie.
