Seidenteppiche auf dem Ballenberg

Edles aus Seide auf dem Ballenberg

Das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg widmet sich dieses Jahr in zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen dem Jahresthema Seide. In Zusammenarbeit mit Pfister präsentiert Label STEP in diesem Zusammenhang eine Ausstellung erlesener Seidenteppiche. Die Ausstellung kann noch bis zum 15. Oktober 2009 besucht werden.

Die Ausstellung im Hof von Novazzano des Freilichtmuseums Ballenberg vermittelt den Besuchern einen Einblick in die Vielfalt und Schönheit der Seidenteppiche. Ob klassisch oder modern, ob aus Hereke, Täbris, Kaschmir oder Kathmandu - alle gezeigten Teppiche zeugen von der Kostbarkeit der Naturfaser Seide und der Kunstfertigkeit der Teppichknüpfer und -knüpferinnen.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem Label STEP-Partner Pfister präsentiert. Verpassen Sie es bei Ihrem Ballenberg-Besuch nicht, auch das von Pfister möblierte Haus von Matten (Nr. 1021) zu besuchen und erleben Sie dort, wie - selbstverständlich fair gehandelte - Teppiche dazu beitragen, ein traditionelles Haus zeitgemäss bewohnbar zu machen.

Erfahren Sie in den folgenden Texten mehr über die Kunst des Seidenteppich Knüpfens und die ausgestellten Stücke - und lassen Sie sich zu einem Besuch auf dem Ballenberg verführen!

 

In Seide geknüpfte Träume

Knüpferinnen in Kathmandu, Nepal

Seide und Seidenteppiche gehörten zu den ersten – und wertvollsten – global gehandelten Gütern. Das Teppichknüpfen ist ein Jahrtausende altes Kunsthandwerk und  sichert bis heute Millionen von Menschen ein Einkommen. Aufgrund des wertvollen Rohmaterials, der hohen Knotendichte und der meist komplexen Muster sind Seidenteppiche die ‚Königsdisziplin’ der Teppichknüpfkunst.

Die ersten Seidenteppiche fanden über die Seidenstrasse, einem Tausende Kilometer langen Netz von uralten Karawanenwegen, nach Europa. Die Hauptroute verbindet den Mittelmeerraum mit Ostasien. Die Ursprünge der Seidenstrasse liegen im Dunkeln: Niemand weiss, wann in China die erste Karawane Richtung Westen aufgebrochen ist. Sicher ist, dass nur kostbare und edle Güter transportiert wurden – das allerwertvollste davon war die Seide. 

Auch heute noch ist die Seide das wertvollste Rohmaterial für handgeknüpfte Teppiche. Nur die talentiertesten und erfahrensten Knüpferinnen und Knüpfer stellen Teppiche aus Seide her. Die Muster sind dabei oft äussert detailreich und fein geknüpft – nicht selten werden pro Quadratmeter über eine Million Konten geknüpft. Vom ersten Knoten bis zur Fertigstellung eines Seidenteppichs vergehen, abhängig von Knüpfdichte, Komplexität des Musters und Grösse des Teppichs, viele Monate.

 

Hereke

Hereke (1980, 103 x 150 cm, ca. 1,2 Mio. Knoten pro m2)

Die türkische Küstenstadt Hereke liegt in der Nähe von Istanbul und hat einen legendären Ruf als Zentrum der Teppichknüpferei. Mitte des 19. Jahrhunderts rief Sultan Abdülmecid I. die besten Knüpfmeister des osmanischen Reiches nach Hereke. Die Hofmanufaktur produzierte Teppiche exklusiv für die Paläste des Sultans, der freie Verkauf in den Bazaren war streng verboten. Erst um 1890 wurde dieses Exklusivrecht aufgehoben und auch normal sterblichen Teppichliebhabern der Kauf erlaubt. Geblieben sind bis heute die meisterhafte Qualität und die überwältigende Schönheit der Teppiche aus Hereke.

 

Täbris

Täbris (links: ca. 1850, 124 x 162 cm, ca. 640'000 Knoten/m2; rechts: ca. 1900, 122 x 159 cm, ca. 600'00 Knoten/m2)

Die nordostiranische Stadt Täbris befindet sich in einer der ältesten und berühmtesten Teppichherstellungsregionen. Vielen gilt die historische Stadt als Heimat der geschicktesten Knüpfer Persiens. Bis heute wird in Täbris eine grosse Vielfalt an Orientteppichen hergestellt. Die beiden ausgestellten Teppiche sind jedoch über 100 respektive 150 Jahre alt. Beide sind besonders wertvolle, aus Seide geknüpfte Gebetsteppiche. Charakteristisch ist dabei die im Innenfeld abgebildete Gebetsnische, das so genannte Mihrab. Der Teppich wird zum Gebet so ausgelegt, dass das Mihrab Richtung Mekka zeigt.

Kaschmir

Kaschmir (2008, 155 x 99 cm, ca. 350'000 Knoten/m2)

Die feinsten Seidenteppiche Indiens werden heute vor allem in Kaschmir geknüpft. Die Teppichknüpfkunst kam mit den Mogulherrschern im 16. Jahrhundert auf den indischen Subkontinent und lässt sich auf persischen Ursprung zurückführen. Auch das Design des ausgestellten Exemplars stammt aus Persien: Schon seit dem 6. Jahrhundert werden so genannte Gartenteppiche hergestellt. In jedem der rechteckigen Felder ist ein Gartenmotiv abgebildet, wobei die Wunder der Natur in Seide geknüpft besonders schön zur Geltung kommen.

Nepal

Moderne Designteppiche aus Nepal

Die Teppichknüpfkunst erreichte erst in den 1950er Jahren mit den Flüchtlingen aus Tibet den Nepal. Heute ist der Himalayastaat das Atelier für modernes Design und das Labor für Innovationen in der Teppichindustrie. Die ausgestellten Exemplare brechen radikal mit der traditionellen Gestaltung der Orientteppiche und sprechen Liebhaber modernen Designs an. In einem Punkt unterscheiden sie sich aber nicht von ihren klassischen Vorfahren: Auch diese Teppiche wurden zu 100% von Hand und unter Verwendung hochwertiger natürlicher Rohstoffe geknüpft.

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