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23. April 2018

Aus dem Leben einer Knüpferin in Nepal

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche talentierten Hände unsere wunderbaren Teppiche knüpfen? Label STEP Direktor Reto Aschwanden berichtet für die Leser und Leserinnen von COVER Magazin (in Englisch)* über einen Tag im Leben der Knüpferin Sunita Rai.

Sunita Rai, eine 36-jährige Mutter und Teppichknüpferin in Kathmandu, ist eine Frühaufsteherin. Sie beginnt ihren Tag um 5 Uhr mit einem Morgengebet und Arbeiten im Haushalt, bevor sie eine Stunde später mit dem Teppichknüpfen anfängt.

Um 8 Uhr kehrt sie in ihre kleine Wohnung auf dem Gelände der Manufaktur zurück. Sie bereitet das Frühstück für ihren 15-jährigen Sohn Bishal vor und hilft ihm bei den Schulvorbereitungen. Nach einem frühen Mittagessen setzt sie sich wieder an den Knüpfstuhl und arbeitet bis 6 Uhr abends, mit einer einstündigen Teepause am Nachmittag. 

Am Abend erledigt Sunita ihre Einkäufe auf dem lokalen Markt, verbringt Zeit mit ihrem Sohn und bügelt seine Schuluniform für den nächsten Tag. Kunsthandwerk ist nicht nur Sunitas Beruf, sondern auch ihre Leidenschaft. Wenn sie sich nicht mit Freundinnen und Nachbarn trifft, verbringt sie ihre Freizeit am liebsten mit Stricken.

Sunitas Leben war nicht immer friedlich und erfüllend. Sie kam in einer armen Familie im ländlichen Osten Nepals zur Welt und konnte nie die Schule besuchen. Sunita heiratete jung und wie hunderttausende junge Nepalesen und Nepalesinnen suchten sie und ihr Mann im Ausland einen Weg aus der Armut. 

Ihre Hoffnungen wurden zerstört, als es Sunita’s Mann während seines 8-jährigen Arbeitsaufenthaltes in Malaysia nicht möglich war, Geld nachhause zu schicken. In ihrer Verzweiflung versuchte sie es ebenfalls mit einem Job in der Fremde, erlebte während zwei Jahren als Hausangestellte in Libanon aber vor allem Ausbeutung und Missbrauch.

Nach ihrer Rückkehr nach Nepal zögerte Sunita zuerst, eine Anstellung in der Teppichindustrie anzunehmen. Familienmitglieder hatten ihr von negativen Erfahrungen berichtet. Trotzdem fand sie, es sei einen Versuch wert. Heute ist sie glücklich mit ihrem Job, vor allem weil ihre Manufaktur mit Label STEP, der Schweizer Organisation, die sich seit 22 Jahren für das Wohlergehen von Knüpferinnen und Knüpfern in sieben Teppichherstellungsländern einsetzt, zusammenarbeitet. Die Arbeitsbedingungen in der kleinen Manufaktur entsprechen internationalen Fair-Trade-Standards, die Löhne sind gut und Sunita erhält eine kostenlose Wohnung.

Sunita kann jetzt gesundes Essen auf den Tisch bringen, gute Kleidung tragen, ihrem Sohn eine Schulbildung ermöglichen und sogar ihren Eltern etwas Geld nachhause schicken. Sie schätzt auch die Kurse, welche STEP zu einem breiten Themengebiet für die Knüpferinnen und Knüpfer anbietet.

Während Sunita’s Manufaktur die Situation für seine Arbeiterinnen und Arbeiter wesentlich verbessert hat, trifft das leider nicht für alle Unternehmen zu. Es ist in den Händen aller Akteure in der Teppichindustrie, mit Fair-Trade-Organisatinen wie Label STEP zusammenzuarbeiten um die Zukunft der Industrie und das Wohl der Arbeitsnehmenden sicherzustellen.

 

*) Dieser Artikel erschien original in Englisch in Ausgabe 50 (Frühling 2018) im COVER Magazin.